100 Jahre Deboo

…dem Protagonisten der Geschichte, die im Buch “Mein Wunscherbe” erzählt wird!

Dr. Debabrata Chatterjee, M.Sc., (Cal.), Ph.D. (Edinburgh), T.L.S., wurde als ältester Sohn von Sri Lakshmi Narayan Chatterjee, einem sehr bekannten Sanskrit-Gelehrten und ehemaligen Direktor des “Cotton College” von Gauhati (Assam) und seiner Frau Sati Devi in Chinsurah (Bengalen) geboren.

Dr. Debabrata Chatterjee im Alter von 25 Jahren

Dr. Debabrata Chatterjee im Alter von 25 Jahren

Die Familie hatte 13 Kinder, 3 Jungen und 10 Mädchen. Eine außergewöhnliche Familie. Der Vater beachtete streng alle Regeln seiner Religion. Trotz alledem konnte er seinen ältesten Sohn Debabrata, der den Spitznamen “Deboo” trug, nicht zum strengen Glauben bringen. Deboo teilte seine Ansicht darüber mit den Worten mit: “Ein Heiliger in der Familie dürfte genügen”. Vermutlich meinte er mit diesem “Heiligen” nicht einmal seinen Vater sondern seinen Onkel, der später in Frankreich als Swami Prajnanpad die Advaita-Vedanta-Lehre verbreitete. Über ihn schrieb Daniel Roumanoff ein Buch mit dem Titel “Swami Prajnanpad”. Dennoch war Deboo ein guter Sohn, der für seine Eltern sorgte und sie aufs Höchste achtete. Niemals hätte er etwas getan, das “Schande” über seine Familie gebracht hätte.

Mir wurde berichtet, dass er als “Rebell” von jüngeren Familienangehörigen betrachtet wurde. Hört man aber die Geschichten über seine “Rebellion”, so würde ich das eher als zielgerichteten und durchsetzungsstarken Weg bezeichnen. Gegen den Willen des Vaters hatte Deboo es nämlich durchgesetzt, dass er u.a. in Schottland studierte. Eine Möglichkeit, die damals nicht üblich und eher selten in Indien genutzt wurde. Es wurden zu viele Schwierigkeiten befürchtet, sei es wegen des Essens, Hindus waren meist Vegetarier, wegen des Klimas oder ganz allgemeine Befürchtungen von Eltern, ihr Kind verkraftete eventuell die “schlechten” Einflüsse der anderen Kulturen nicht. Er setzte sich durch, musste allerdings einige Bedingungen seines Vaters erfüllen.

Der Aufenthalt hat ihm nicht geschadet, wie man seinem späteren Werdegang als Botaniker entnehmen kann. Und dass er während seines Studiums meine Mutter, Lieselotte Hachmann, kennen gelernt hatte, war ein Glück, das nicht jedem Menschen widerfährt. Davon erzählt “Mein Wunscherbe”.

Von seinem beruflichen Werdegang erzählt der Nachruf von Dr. K. Biswas, der Deboos Vorgänger als Superintendant des Botanischen Gartens in Kalkutta war, ihn jedoch überlebte:

“The sudden death of Dr. Debabrata Chatterjee, M.Sc., (Cal.), Ph.D. (Edinburgh), T.L.S., under the most tragic circumstances on Saturday the 24th September, 1960 forenoon at his office in the ground floor of the Herbarium building of the Indian Botanic Garden, Calcutta, came as a great shock and sad loss to his many friends.

He was the eldest son of Shri Lakshmi Kanta Chatterjee, a well-known Sanskrit Scholar and a former Principal of the Cotton college, Gauhati. Dr. Chatterjee was a widower, and is survived by his aged father, mother and an only young unmarried daughter. Dr. D. Chatterjee was born at Chinsurah on the 2nd April, 1911. He studied Botany with Honours at the Presidency College, Calcutta University obtaining a first class. Later, he went to the University of Edinburgh and worked for two years from 1937 to 1939 under Professor Sir William Wright Smith Kt., Regius Keeper, Royal Botanic Garden, Edinburgh and Professor of Botany, University of Edinburgh. His thesis was on “Endemic Flora of India and Burma” and by no means an easy subject. Dr. Chatterjee did full justice to the subject to complete this laborious task in 1939 for which he was awarded the Ph.D. Degree of the Edinburgh University. His thesis was subsequently published in the Journal of the Asiatic Society of Bengal Vol. V, 1939.

Dr. Chatterjee went to Burma in 1940 as a Lecturer in Botany in the Agricultural College, Mandalaya. During the bombing raids in Burma by the Japanese, he managed to escape under great hardship from Burma along with host of other refuges leaving everything behind in April 1942. He worked again at the Botanic Garden, Calcutta as Systematic Assistant, Botanical Survey of India und Dr. K. Biswas, the then Superintendant, IndianBotanic Garden and in-charge of the duties of the Director, Botanical Survey of India at the Herbarium. Later in July 1943 he was appointed a lecturer in Botany at the Cotton College, Gauhati, Assam. He went to England again, in early 1946 and joined the Herbarium of the Royal Botanic Gardens, Kew, London as Botanist for India. While at the Kew Herbarium in England, he published some valuable papers dealing with discoveries of several new plants and on nomenclature of plants. In 1948 while working at Kew, he was deputed by the Government of India to attend the Symposium on Botanical Nomenclature in Utrecht, Holland. Dr. Chatterjee returned to India from Kew in April, 1949, and was appointed systematic Botanist in the Indian Agricultural Research Institute, New Delhi, in June 1949. While there he published several papers dealing with the origin of cultivated rice and other cultivated plants. He also took up the classification of cultivated wheats of India. Dr. Chatterjee was made a Vice-President of the International Botanical Congress held in Paris in 1954, and was awarded a Special Centenary Medal of the Societe Botanique de France. He received the Brühl Memorial Medal in 1955. In August 1955 Dr. Chatterjee succeeded Dr. K. Biswas, as Superintendant, Indian Botanic Garden, Shibpore. He held this post until his death on 24th September, 1960.

Dr. Chatterjee was a promising Systematic Botanist in India and an imiable and charming person to deal with. He was a conscientious and devoted officer who died at his post. His death is a great loss to Botanists in India and Bengal particular. May his soul rest in peace.”

Facebook-Kommentare

5 Kommentare zum Artikel “100 Jahre Deboo”

  1. Beeindruckend. Mehr fällt mir nicht ein!

  2. [...] Bitte klicken Sie hier um auf die neue Adresse zu folgen. [...]

  3. wie schön ! Hab den Hinweis auf Deboos Geburtstag in meine Buchbesprechung eingefügt *winke*

    Aber – leider verstehe ich sehr schlecht englisch. Kannst du den letzten Teil vielleicht noch für Dumme wie mich übersetzen?

    Liebe Grüße
    Maria

    • Liebe Maria,

      für den Hinweis auf deiner Seite danke ich dir sehr! Ich freue mich, dass du deine Frage hier stellst, ist es doch vielleicht ausschlaggebend dafür, dass sich auch andere trauen, ihre Fragen hier zu stellen, die ich wirklich gerne beantworte. Es “darf” sich auch jeder in Unterhaltungen einmischen, denn ich würde mich natürlich auch darüber freuen, wenn nicht nur Monologe oder “Duologe” ;-) entstehen, sondern tatsächlich ein Miteinander. Genug der Rede. Hier ist die Übersetzung des Nachrufes von Dr. K. Biswas, der Leiter des Botanischen Gartens in Kalkutta war, bevor Deboo diese Aufgabe übernahm:

      „Der völlig überraschende Tod von Dr. Debabrata Chatterjee, Superintendant des Indischen Botanischen Gartens in Sibpur, Kalkutta, der unter tragischen Umständen am 24. September im Erdgeschoss seines Büros ums Leben kam – er wurde von einem seiner untergebenen Angestellten absolut mutwillig aus nächster Nähe erschossen – war ein großer Schock für seine Familie, seine vielen Freunde und Kollegen.
      Nachdem der Täter dieses äußerst sinnlose Verbrechen begangen hatte, richtete er die Waffe kurzerhand gegen sich selbst und setzte auch seinem Leben ein Ende.

      Es schien, als hätte der Mörder um einen Posten im Botanischen Garten nachgesucht, für den er jedoch keine ausreichende Qualifikation besaß und deshalb von Dr. Chatterjee nicht berücksichtigt werden konnte. Dieser mörderische Wahnsinn, hervorgerufen durch das Empfinden von Ungerechtigkeit und Enttäuschung, war verantwortlich für den Tod eines der führenden Botaniker Indiens.

      Dr. Chatterjee erhielt seine erste botanische Ausbildung im Presidency College in Kalkutta und erlangte 1937 den M.Sc. in Botanik mit Auszeichnung. Dann wechselte er zur Universität nach Edinburgh, wo er zwei Jahre unter dem inzwischen verstorbenen Sir William Wright Smith arbeitete. Er erlangte seinen Ph.D., die akademische Doktorwürde, mit der Arbeit über die Behandlung endemischer Pflanzen in Indien. Seine Doktorarbeit wurde 1939 im „Journal of the Asiatic Society of Bengal Vol. V“ veröffentlicht.

      Nach seiner Rückkehr arbeitete er eine zeitlang im Herbarium in Sibpur, um dann als Dozent für Botanik an das Mandalay College nach Burma zu gehen. Als die Japaner 1942 in Burma einfielen, entkam er und lehrte vier Jahre lang am Cotton College in Gauhati in Assam. 1946 wurde er Botaniker im Königlichen Botanischen Garten in Kew, London, wo er für Indien arbeitete. Während dieser Zeit am Kew Herbarium veröffentlichte er wertvolle Artikel über neue Pflanzen, deren Klassifizierung und Namensgebung.

      Unterdessen wurde er 1948 von der indischen Regierung gebeten, am Symposium der botanischen Nomenklatur in Utrecht, Holland, teilzunehmen.
      1949 kehrte er nach Indien zurück und wurde für sechs Jahre auf den Posten des Systemischen Botanikers ins Indian Agricultural Research Institute nach Delhi berufen. Solange er dort arbeitete, publizierte er weitere Artikel über den Ursprung von kultiviertem Reis und anderer kultivierter Pflanzen. Ebenso trieb er die Klassifikation kultivierten indischen Weizens voran.

      Dr. Chatterjee wurde Vizepräsident des Internationalen Botanischen Kongresses, der 1954 in Paris abgehalten wurde. Dort erhielt er eine besondere Medaille von der Societé Botanique de France. 1955 erhielt er die Brühl Memorial Medaille, kurz bevor er die Nachfolge von Dr. K. Biswas, als Superintendant des Botanischen Gartens in Kalkutta, antrat.

      Er war ein hervorragender Spezialist für Identifizierung und Klassifizierung. Sein Tod bedeutet besonders deshalb einen schweren Verlust für Indien, insbesondere für Bengalen, weil es nur sehr wenige derart kompetente Taxonomisten gibt.

      Dr. Chatterjee hinterlässt seine alten Eltern und seine einzige Tochter, die sich unserer großen Anteilnahme sicher sein können.“

      Im übrigen findet man die Übersetzung auch im 2. Teil von “Mein Wunscherbe” – Im Land meiner Träume – auf den Seiten 305 bis 306.

      Nochmals ein herzliches Danke für deine Frage und
      ganz liebe Grüße
      Dietlinde

Schreiben auch Sie einen Kommentar

(erforderlich) - ?!? -

(erforderlich) - ?!? -

- ?!? -


Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

*