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Leseprobe aus Teil 2 -Im Land meiner Träume-

5 Dezember 2010

Leseprobe aus dem Buch „Mein Wunscherbe, Im Land meiner Träume“,  Seite 117 bis 120:

Lieselotte erzählt:

2.11.1956

Seit heute Nachmittag sind wir in Kalimpong.

Der letzte Morgen in Darjeeling war Gott sei Dank wieder ohne Regen, sodass wir vor dem Frühstück einen letzten, Abschied nehmenden Spaziergang mit dem Blick auf den Kanchenjungha machen konnten.

Vom Botanischen Garten brachte man mir zum Abschied einen großen Strauß Blumen und eine Orchidee zum Anstecken.

Die Fahrt nach Kalimpong war wieder sehr interessant und abwechslungsreich. Gleich nachdem wir Darjeeling verlassen hatten, gab es einen Menschenauflauf an der Straße. Ein Lastwagen war die Böschung hinunter in den Abgrund gestürzt. Glücklicherweise wurde er in einiger Entfernung von Bäumen aufgehalten, so dass er nicht restlos in die Brüche ging und der Fahrer gerettet werden konnte.

Alle Hütten, Häuser und Läden auf dem Wege waren mit Papiergirlanden hübsch geschmückt, denn gestern und heute wird Diwali gefeiert. Da es am 01.11. ununterbrochen regnete, saß ich fast die ganze Zeit über im Bett und habe geschrieben. Abends um sieben Uhr entschloss ich mich ganz plötzlich, für einen Augenblick zum Tempel zu gehen, um mich von Sri Pandit zu verabschieden. Deboo war in den Botanischen Garten gegangen, deshalb war ich allein.

Ich traf Pandit wie erwartet. Er freute sich sehr. Im Tempel waren schon alle Vorbereitungen zum Kali-Puja, das nachts um elf Uhr beginnen würde und bis zwei oder drei Uhr dauern sollte. Die Götterfiguren, besonders Lakschmi und Kali, waren voller Blumengirlanden, und auf den Stufen standen überall Öllämpchen mit brennenden Dochten. Wir saßen gemeinsam auf dem Teppich im Tempel und erzählten. Währenddessen beobachtete ich die Menschen, wie sie ihre Gaben brachten, sich niederknieten, die Stirn auf die Stufen oder den Boden pressten und so einige Minuten betend verharrten.

Hier im Tempel traf ich auch den Leiter des Forest-Department wieder, den Deboo und ich am Tag zuvor um die Erlaubnis gebeten hatten, einen der Forest-Bungalows zu benutzen. Er hatte gestern einige Überlegungen angestellt und uns schließlich einen empfohlen, der besonders großartig sein soll, und der in einer wunderschönen Umgebung liegt. „Versuchen Sie, Dr. Chatterjee zu überreden, dass er mit Ihnen für einen Tag und vielleicht eine Nacht dorthin geht.“

Bis heute ist es mir nicht gelungen, Deboo zu überzeugen. Er sieht zu viele Schwierigkeiten. Es gibt dort nämlich nichts zu essen, man muss sich alles mitnehmen. Selbst das Wasser muss von Kulis aus dem nächsten Ort geholt werden. Ich gab es nach einiger Zeit auf, irgendwelche Vorschläge zu machen, ergriff aber hier im Tempel die Gelegenheit, mit dem Forest-Officer darüber zu sprechen. Er versprach mir, von seinen Beamten in Kalimpong jede Unterstützung zu bekommen, einen Forest-Bungalow zu besuchen. Wenn es nicht anders ginge, würde ich es auch allein machen.

Deboo und ich waren beide gereizt. Die Zeit verging, der Abschied rückte unaufhaltsam näher und kaum eine Aussicht, auch nur einen einzigen Tag zu Zweit zu verbringen, obwohl wir beide es gern gewollt hätten. Das zehrte an unseren Nerven.


03.11.1956

Um fünf Uhr wachte ich auf, nachdem ich wunderbar in meiner einsamen Hütte geschlafen hatte. Es gab noch zwei weitere Räume. Diese wurden aber erst am nächsten Tag mit Japanern belegt. Ratna und Deboo waren im Haus von Ajoys Onkel untergebracht.

Ich hatte Glück und konnte die Schneeberge beim Sonnenaufgang sehen, die ganz rosig angehaucht waren und wundervoll aussahen. Die ganze Pracht dauerte nicht länger als etwa zehn Minuten. Danach hatte sich der Wolkenvorhang nicht wieder gelichtet. Die näheren Berge waren gut zu sehen, besonders dann, wenn die Sonne strahlte, was sie mittags ausgiebig tat.

Nach dem Frühstück machte ich einen langen Spaziergang durch die Stadt. Ich habe malerische Trachten der verschiedensten Völkerstämme gesehen. Da waren die „Lepchas“, meist Waldleute, die über ein riesiges Wissen über die Kräfte der Natur verfügen, Heilkräuter, alle Tiere und Vögel bestens kennen und jetzt, infolge ihrer Armut, Kulidienste leisten. Sie sehen mongolisch aus, mit schrägen Augen und hohen Wangenknochen. Sie sind ziemlich hellhäutig und haben kohlschwarze Haare, die lang und dick sind. Die Männer tragen einen langen Zopf, die Frauen zwei Zöpfe, die mit bunten Fransen verziert und manchmal um den Kopf als Kranz gelegt werden. Sie lächeln meist und scheinen ein fröhliches Naturell zu haben. Sie sollen friedlich und sorglos sein und sich wenig um das kümmern, was morgen sein könnte. Im Gürtel tragen sie ein breites Messer, das meist beträchtlich verziert ist. Damit schneiden sie Bäume, bauen Hütten, enthäuten Tiere, schneiden Fingernägel und ihr Essen. Mitunter benutzen sie es auch als Zahnstocher und Zange. Die Männer haben im linken Ohr einen riesigen Ohrring, rechts einen kleinen bunten Stein. Die Hüte haben sie keck aufs Ohr gesetzt. Auch bei ihnen kann man sich täuschen, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt, da die Männer über ihren Hosen noch eine Art Rock tragen.

Dann gab es noch die „Limbus“, die ähnlich, nur etwas dunkler aussehen. Sie tragen ihre Haare auch lang, aber offen und keinen Schmuck. Außerdem gab es noch die „Bhutias“, Sikkims zweitälteste Volksgruppe, mit normalerweise gelblicher Gesichtsfarbe, die aber von Staub und Schmutz verdeckt war. Im 15. Jahrhundert schlossen sie mit den „Lepchas“ einen Bund, der jedes Jahr gefeiert wird. Die Nepalis bevölkern die Berggegend. Sie finden hier ein besseres Auskommen als in ihrer Heimat. Soviel über dieses bunte Völkergemisch.

Als ich von meinem Spaziergang zurück kam, wartete Deboo bereits, um mich zum Treffen mit dem Forest-Officer abzuholen. Wir waren fünfzehn Minuten allein, küssten uns heiß, aber dann war es mit meiner Fassung vorbei. Ich musste hinausgehen, um nicht in Tränen auszubrechen. Wir sind beide in sehr angespannter Stimmung.

Am Abend traf ich im Hotel Landsleute, Professor Helmut Hoffmann, von der Uni in München, ein Duzfreund Professor Alsdorfs. Wir diskutierten die Weltlage, von deren Gefahr ich erst da erfuhr, denn wir lasen weder Zeitung noch hörten wir Radio. Es beunruhigte mich sehr; trotzdem hoffte ich, dass bei meiner Rückreise alles gut gehen würde.

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